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Der richtige Frauenarzt bei Endometriose

So eine Endometriose führt nicht nur zu einem gestörten Verhältnis zum eigenen Körper, sondern oft auch zu einem gestörten Verhältnis zum eigenen Gynäkologen. (Mit "Gynäkologe" oder "Frauenarzt" meine ich auch immer schon die weibliche Form "Gynäkologin"/"Frauenärztin"; ist mir aber zu anstrengend, immer zu schreiben.) Das endet dann ganz schnell in einer "Trennung", weil beide mit der Situation überfordert sind.

Beim nächsten Frauenarzt wird alles anders

Die Endometriose ist nicht heilbar. Es gibt kein Medikament, das sie therapieren könnte, nach OPs kommt sie oftmals zurück. Symptome können auch nur bedingt gemildert werden.

Im Grunde begegnen sich Arzt und Patientin mit Endometriose auf Augenhöhe – beide wissen nicht wirklich, was auf sie zukommt. Daher rücken ganz andere Qualitäten als das reine Fachwissen des Arztes in den Vordergrund. Wichtiger als das Verschreiben von Hormonen und Schmerzmitteln werden in dem Fall Vertrauen, Einfühlungsvermögen und Respekt! Wenn schon die Dienste eines Arztes bei Endometriose versagen, so braucht man doch wenigstens einen "Therapie-Partner", der einen begleitet und vor allem: ernst nimmt!

 

Für mich persönlich sollte der richtige Frauenarzt bei Endometriose

  • die Symptome nicht auf Stress und/oder psychische Labilität zurückführen
  • einen nicht als Versuchskaninchen für diverse Hormon-Präparate missbrauchen
  • offen sein für alternative Behandlungsformen
  • einen nicht als gute Einnahmequelle durch regelmäßige kostenpflichtige Ultraschalluntersuchungen sehen
  • einem nicht ständig erzählen, dass andere Frauen die Hormone aber vertragen
  • einem nicht zur Therapie eine Schwangerschaft vorschlagen
  • einen nicht ständig erzählen, was für eine interessante und "faszinierende" Erkrankung die Endometriose doch sei (!)
  • einem glauben!

Es ist nicht einfach, solch einen Arzt zu finden. Hinzu kommt: Vor jedem ersten Termin habe ich  fast ein schlechtes Gewissen, mit zu hohen Ansprüchen in die Situation zu gehen und mein Gegenüber zu überfordern. Fast fühle ich mich wie bei einem ersten Date, bei dem ich noch beichten muss, dass ich unkontrollierbare, hyperaktive Drillinge aus der vorherigen Beziehung mitbringe …

Jedenfalls habe ich bei dieser "Partnersuche" der besonderen Art schon einige Reinfälle erlebt:

 

Typ: Stell dich nicht so an!

Wenn man jung ist, glaubt man ihnen alles. So glaubte ich meinem ersten Frauenarzt auch, als dieser sagte: "Ach, jede Frau hat da so ihre Probleme." Das Gefühl, als würde jemand mit einem Rasenmäher durch meinen Unterleib fahren, war also normal. Wahrscheinlich war ich einfach nur empfindlich und die Übelkeit wohl nervlich bedingt. Und dass es unter der Pille schlimmer wurde, bildete ich mir dann nur ein. Hey, er war der Experte, er würde es schon wissen. Er hat die Endometriose bei mir nie entdeckt, noch nicht einmal vermutet.

Typ: Du bist mir egal

Ein halbes Jahr nach meiner OP ging ich zu einer neuen Ärztin. Sie machte die normale Krebsvorsorge – fertig. Kein Ultraschall, auch wenn bei manchen Endo-Patientinnen nur wenige Wochen zwischen OP und Rezidiv liegen können.

Zufälligerweise hatte meine damalige Mitbewohnerin am selben Tag einen Termin bei derselben Ärztin – allerdings als Privatpatientin. Bei ihr wurde ein Ultraschall gemacht – obwohl keine Indikation vorlag.

Das war das letzte Mal, dass diese Ärztin mich gesehen hatte. Auch wenn sie es in dem Moment nicht wusste: Ich machte mit ihr Schluss!

Typ: Für deine Gefühle bin ich nicht verantwortlich

Ich wechselte zu einer Ärztin, bei der ich mich anfangs gut aufgehoben fühlte. Sie zeigte zumindest Interesse und lieh mir Bücher über Endometriose aus. Immerhin verfügte sie über Fachliteratur …

Sie empfahl mir, das Gestagen-Präparat, das ich ursprünglich nur ein halbes Jahr nehmen sollte, weiter durchzunehmen, denn es sei  "das Beste", was es bei Endometriose gebe. Ich glaubte ihr. Damals wusste ich noch nicht, dass Hormone bei meiner Form der Endo nichts nützen. Sie leider auch nicht …

Als ich eines Tages vor ihr saß, fertig mit den Nerven, und meinte ich hätte das Gefühl, die Tabletten würden mich mehr und mehr in eine Depression treiben, meinte sie mit scharfem therapeutischen Sachverstand: "Dann müssen Sie halt so versuchen, irgendwie positiv auf die Welt zu schauen."

Ich setzte das Medikament ab, mir ging es wieder gut und ich ging nie wieder zu ihr. Endlich – ich hatte mich emanzipiert!

(Vor einem halben Jahr sagte mir eine andere Ärztin, es sei erwiesen, dass dieses Präparat Depressionen auslöse.)

Typ: Ich habe in der Beziehung die Hosen an!

Einer versuchte noch mal, meine Emanzipations-Bestrebungen im Keime zu ersticken. Mal ganz davon abgesehen, dass ich trotz der Endo jedes Mal den Ultraschall bezahlen musste, wollte er mir glatt weiß machen, dass die natürliche Progesteronsalbe, die ich statt der synthetischen Hormone nun ausprobieren wollte, nicht wirke, da das Progesteron in der Leber abgebaut würde und dann nichts mehr davon ankäme …

Nun, ich habe zwar nicht Medizin studiert, aber immerhin wusste ich, dass dieser First Pass-Effekt für Präparate zum Einnehmen galt und gerade im Vermeiden dieses Effekts der Vorteil der Salbe lag.

Ich hörte mir seine Tipps gegen Endometriose-Beschwerden und hormonbedingte Depressionen eine Weile an. Interessant fand ich besonders folgenden: "Tun Sie sich mal was Gutes, gehen Sie mal `nen Kaffee trinken."

Dieser Arzt hat mir die Augen geöffnet – Hier lag also der Ursprung all meiner Probleme: Ich bin Teetrinker!

Endlich: Der Richtige!

Ich hatte fast schon die Hoffnung aufgegeben, aber was soll man machen, man kann ja nicht ohne – da ist ja noch die Krebsvorsorge. Völlig entmutigt und innerlich auf die Diskussion über meine Verweigerung der Einnahme synthetischer Hormone vorbereitet, saß ich vor ihm. Er schaute sich meine OP-Berichte an und sagte schließlich wortwörtlich:

"Aus gynäkologischer Sicht haben Sie die Arschkarte gezogen! Ich kann Ihnen nicht helfen – aber ich werde alles tun, was Sie wollen."

Das war mein Arzt!!!

Er verschrieb mir die Progesteronsalbe, auch wenn er das selbst zum ersten Mal tat und es für ihn auch ein Experiment war. Die Salbe schien zu wirken, zumindest schadete sie nicht. Über 5 Jahre lang führten wir eine Beziehung auf Augenhöhe. Alles war gut.

Update 13.11.2019:

Nun bin ich nach Schottland ausgewandert. Und die Suche beginnt von Neuem. Mittlerweile habe ich ganz andere Ansprüche an einen Endometriose-Arzt. Ich erwarte keine Heilung mehr. Ich erwarte ein gutes Monitoring, auf dessen Grundlage ich meine eigenen Entscheidungen fälle.


Dieser Artikel ersetzt nicht den fachlichen Rat, z. B. durch einen Arzt.

Titelbild erstellt mit Canva / CCo 1.0